
Die Ankunft -
die ersten Stunden bei euch
Ihr habt euch dazu entschlossen, einen Hund aus dem Ausland zu adoptieren.
Glücklich nehmt ihr euren Hund in Empfang.
Nach anfänglicher Freude stellt ihr wahrscheinlich schon im Auto fest, dass die Fellnase unangenehm riecht. Das ist aber völlig normal, denn im Shelter werden die Hunde nicht regelmäßig gebadet. Sie lebten auf engstem Raum und die Verhältnisse der Shelter sind nicht vergleichbar mit einem First Class Hotel.
Eine gute Idee wäre es jetzt doch, wenn der Hund gleich nach der Ankunft gebadet wird. 🚿 Klar, er wird sich tierisch freuen. Fremde Menschen, Badezimmer, rauschendes Wasser das sich über ihm ergießt, dass alles hat er vermisst 🙈.
Den eigentlichen Schock, den er dadurch bekommt, wird er überwinden, fördert aber nicht gerade das Vertrauen, dass er zu euch aufbauen soll.
OK, wir baden ihn also nicht!!
Morgen kommt dann die ganze Verwandtschaft. Die Familie muss ja den Neuankömmling begrüßen, ebenso muss unser Liebling alle Familienmitglieder kennen lernen. Am Besten laden wir die Nachbarn mit ihren Hunden noch dazu, dann lernt unser Hund gleich seine neuen Spielkameraden kennen. Gesagt, getan!
Pünktlich stehen alle geladenen Gäste vor der Tür.. Nun heißt es: alle auf den Hund!
Mit Bemerkungen wie „Ja wo ist er denn, der Süße?!“, „Hier hast du Leckerchen“ und natürlich müssen tausend Hände ihn streicheln.
Euer Liebling liegt zusammengekauert in der Ecke und würde sich am liebsten in Luft auflösen. Jetzt kommen die Kommentare: „Euer Hund ist aber ängstlich!“, „Warum spielt er nicht mit unseren Hunden?“, „Ist der immer so??“
Enttäuscht zieht der geladene Besuch wieder ab. Zeit, sich zu fragen, ob mit unserem Hund etwas nicht stimmt oder ist er etwa krank? Ab zur Überprüfung. Wir gehen zu seinem Platz oder rufen ihn, locken ihn mit Leckerchen..keine Reaktion seinerseits.
Jetzt haben wir Gewissheit - mit unserem Hund stimmt etwas nicht.
Nein, der Hund ist völlig normal, er braucht jetzt Zeit, sich von dieser Schockstarre zu erholen.
Fazit:
Die meisten Auslandshunde kennen kein Familienleben. Sie hatten genug damit zu tun , auf der Straße und im Shelter zu überleben.
Dem Neuankömmling ist so gut wie alles fremd. Wohnung, Körbchen, Geräusche (Staubsauger, Kaffeemaschine, Fernseher..)
Verhaltensweisen der Hunde können sich nach der Ankunft ändern. Der verspielte Hund kann plötzlich ängstlich sein..
Der Transport nach Deutschland ist für die Hunde sehr stressig und anstrengend. Sie werden zwar auf der Fahrt gut versorgt ( Futter, Wasser, Transportboxen werden gesäubert) , aber es bleibt für die Hunde eine lange Fahrt ins Ungewisse. Sie wissen nicht was mit ihnen passiert.
Gebt den Hunden ausreichend Zeit, um in Ruhe bei euch anzukommen!!!
Die Charaktere der Hunde sind sehr unterschiedlich. Einige ziehen sich in ihrem neuen Zuhause komplett zurück und andere Hunde “ ignorieren” meinen oben geschriebenen Text und freuen sich gleich über viele Menschen und Spielgefährten ( ist aber eher selten ).
Beobachtet eure Fellnase bei der Ankunft im neuen Zuhause sehr genau. Nur so könnt ihr wissen, was ihm gut tut und was nicht!
Mir ist ein Punkt noch sehr wichtig!
Die Hunde brauchen kein Mitleid.Sie benötigen einen geregelten Tagesablauf, Liebe, sehr viel Geduld, Zeit und eine liebevolle, konsequente Erziehung. Strafen brauchen sie nicht. Ihr bisheriges Leben war meist schon Strafe genug.
Damit sind wir bei der Eingewöhnungszeit angelangt. Diese dauert nicht Stunden, Wochen, nein, diese Zeit kann Monate dauern und variiert von Hund zu Hund.
Eure Heike